Experte: Zwang zum Impfen ist überflüssig

Eine Frage des Wohlergehens aller

Experte: Zwang zum Impfen ist überflüssig

Die geplante Pflicht zur Masernimpfung ist nach Überzeugung des Direktors des Medizinhistorischen Museums in Hamburg, Prof. Dr. Philipp Osten, unnötig. „Ich bin entschieden für das Impfen, aber Zwang ist überflüssig“, betont Osten im Apothekenmagazin „Baby und Familie“. Radikale Impfgegner gebe es sehr wenige. „Mehr als 97 Prozent der Kinder bekommen die erste Masernimpfung. Das Problem ist die zweite Impfung, aber die versäumen die Eltern nicht aus ideologischen Gründen.“ Dem Medizinhistoriker zufolge sollten den Ärztinnen und Ärzten Möglichkeiten gegeben werden, bei den Eltern nachzuhaken, sie zu erinnern.

„Und Kampagnen sollten mehr auf Solidarität setzen“, so der Mediziner. „Wir impfen unsere Kinder nicht nur, damit sie selbst nicht die Masern bekommen, sondern vor allem für Säuglinge und für kranke Kinder, die nicht geimpft werden können und für die die Krankheit umso bedrohlicher ist.“ Die Titelgeschichte des neuen „Baby und Familie“-Hefts zeigt auf, wie andere EU-Länder – mit und ohne Pflicht – hohe Impfquoten erreichen.¹

Mehr Masern-Fälle

Die Zahlen der Weltgesundheitsorganisation zeigen, dass es in Europa vermehrt zu Masernerkranungen kommt. Auch in Baden-Württemberg gibt es mehr Fälle. Sozial- und Integrationsminister Manne Lucha ruft Eltern dazu auf, den Impfschutz ihrer Kinder zu überprüfen.

Vor dem Hintergrund der heute von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) veröffentlichten Zahlen über deutlich ansteigende Masern-Fallzahlen in Europa ruft Sozial- und Integrationsminister Manne Lucha Eltern dazu auf, vor Beginn des neuen Schuljahres den Impfschutz ihrer Kinder prüfen zu lassen und versäumte Impfungen nachzuholen.

„Gerade Schulanfänger und neue Kita-Kinder können in der Schule und im Kindergarten mit ansteckenden Krankheiten in Kontakt kommen. Überprüfen Sie deshalb den Impfstatus Ihrer Kinder und holen Sie versäumte Impfungen unbedingt nach“, sagte Lucha. „Ein ausreichender Impfschutz gegen Masern und andere Krankheiten sollte ebenso selbstverständlich zum Schulanfang gehören wie die Sicherheit auf dem Schulweg.“

Baden-Württemberg ist Schlusslicht bei zweiter Masernimpfung

In Baden-Württemberg haben mehr Schulanfänger Impflücken als in anderen Bundesländern. Zahlen der Gesundheitsämter im Land zeigen, dass jedes zwanzigste Kind bei der Schuleingangsuntersuchung im vergangenen Jahr nicht gegen Masern geimpft war und jedes zehnte Kind noch nicht über die wichtige zweite notwendige Impfung verfügte. Diese sollte jedoch bis zum zweiten Geburtstag erfolgen. Ohne ausreichenden Impfschutz können sich auch ältere Geschwister und Erwachsene noch mit Masern anstecken.

Minister Lucha hatte bereits im Frühjahr in Baden-Württemberg die Diskussion um die Einführung einer Masern-Impflicht angestoßen. „Die Zunahme der Masernerkrankungen und die permanente Unterschreitung der empfohlenen Impfquote von 95 Prozent für die zweite Masernimpfung im Land zeigen leider, dass Impf-Appelle und Aufklärung allein offenbar nicht genügen. Deswegen muss die Impfpflicht jetzt kommen“, so Lucha.

Schon 91 Masernerkrankungen im Land verzeichnet

In Baden-Württemberg wurden seit Jahresbeginn 2019 bis zum 29. August 2019 insgesamt 91 Masernerkrankungen verzeichnet. Betroffen waren 33 Kinder bis 14 Jahre (darunter 17 Kinder unter 6 Jahre), 15 Jugendliche von 15 bis 18 Jahre und 43 Erwachsene. Im vergleichbaren Vorjahreszeitraum waren es 87 Masernfälle und im Kalenderjahr 2018 insgesamt 101 Masernfälle.²

¹Apothekenmagazin „Baby und Familie“ – Wort & Bild Verlag ²Partei Die Linke im Bundestag

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