Kassenarzt-Chef Gassen: Krankenkassen sollen keine Homöopathie mehr finanzieren

Bei Homöopathie an Frankreich orientieren

Kassenarzt-Chef Gassen: Krankenkassen sollen keine Homöopathie mehr finanzieren

Der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen, hat die Finanzierung von homöopathischen Leistungen durch die Krankenkassen kritisiert. „Es gibt keine ausreichenden wissenschaftlichen Belege für die Wirksamkeit homöopathischer Verfahren“, sagte Gassen der Düsseldorfer „Rheinischen Post“. Vor diesem Hintergrund sollten die gesetzlichen Krankenkassen auch grundsätzlich keine Leistungen der Alternativmedizin finanzieren dürfen, auch nicht als freiwillige Satzungsleistung, solange der Nutzen nicht nachgewiesen sei. „Wer homöopathische Mittel haben möchte, soll sie auch bekommen, aber bitte nicht auf Kosten der Solidargemeinschaft“, betonte Gassen, der einen entsprechenden Gesetzesvorstoß der französischen Regierung begrüßte. Gassen forderte die Kassen auf, ihre Finanzmittel in die ambulante Versorgung zu leiten, „anstatt vor allem aus Marketingzwecken Beitragsgelder für Homöopathie auszugeben“.

Frankreich geht den richtigen Weg, wenn dort die Krankenkassen ab 2021 keine Kosten für homöopathische Arzneimittel mehr übernehmen werden. Ein solcher Schritt stünde auch dem deutschen Gesundheitssystem gut zu Gesicht. Es mag ja sein, dass homöopathische Präparate eine positive Wirkung auf Patienten haben. Dass diese aber über den reinen Placeboeffekt hinausgeht, konnte in der mehr als 200 Jahre alten Geschichte der Homöopathie wissenschaftlich nie nachgewiesen werden. Für die Herstellung sogenannter Globuli, kleiner Zuckerkügelchen, werden Pflanzentinkturen immer und immer wieder verdünnt, bis der Arzneigehalt nicht mehr nachweisbar ist.

So werden selbst gefährliche Wirkstoffe, etwa von Giftpflanzen, einsetzbar für die Homöopathie. Gleichzeitig glauben Homöopathen daran, dass mit jeder Potenzierung, jeder Verdünnung, die Wirksamkeit der Arznei verstärkt wird. Ein in sich widersprüchlicher Glaube, der die Solidargemeinschaft der Krankenversicherten teuer zu stehen kommt. 2018 machten die Apotheken in Deutschland einen dreistelligen Millionenumsatz mit homöopathischen Mitteln. Viele Krankenkassen übernehmen die Kosten für die homöopathische Beratung und Behandlung, Ärzte und Apotheken verdienen mit.

In dieser Gemengelage ist es für Patienten sehr schwer, sich gegen die Verordnung solcher Mittel zu wehren. Und für gesetzlich Versicherte ist es unmöglich, sich nicht an den Kosten für Arzneimittel zu beteiligen, deren Wirksamkeit nach sonst gültigen Maßstäben nicht nachweisbar ist. Das ist ungerecht. Schließlich könnte das Geld weitaus sinnvoller für Untersuchungen oder Behandlungen verwendet werden, deren Wirksamkeit nachweisbar ist und die nicht zu den Regelleistungen der Kassen zählen. Auch die Naturheilkunde gehört dazu, die nicht in einen Topf mit Homöopathie geworfen werden darf.¹

BAHN-BKK nimmt Stellung zur Homöopathie-Debatte: Versicherte sollen selbst entscheiden dürfen

Anfang letzter Woche hat SPD-Fraktionsvize Karl Lauterbach erneut gefordert, dass Krankenkassen die Kostenerstattung von homöopathischen Leistungen und Medikamenten verboten werden soll. Die BAHN-BKK ist hier grundsätzlich anderer Auffassung. Sie bezahlt homöopathische Behandlungen und erstattet pro Jahr bis zu 150 Euro für naturheilkundliche Medikamente aus dem Bereich der Homöopathie.

„Auch wenn aus schulmedizinischer Sicht die wissenschaftlichen Nachweise für die Wirkungsweisen der Homöopathie fehlen, fühlt sich ein großer Teil der Bevölkerung von ihrer ganzheitlichen Sicht auf den Menschen angesprochen und verstanden und erzielt damit bei unterschiedlichsten Erkrankungen gute Erfolge. Das zeigt uns, dass die Homöopathie bei vielen Erkrankungen eine positive Wirkung hat. Wir möchten die Versicherten deshalb gerne wählen lassen, auf welche Verfahren sie setzen – auf rein schulmedizinische oder eben (zusätzlich) auf naturheilkundliche. Und dazu gehört auch die Homöopathie. Wir plädieren für ein Nebeneinander beider Ansätze und unterstützen weiterhin die Kunden, die sich für eine homöopathische Behandlung entscheiden“, so Hanka Knoche, Vorstand der BAHN-BKK.

Natürlich ist es der BAHN-BKK ein großes Anliegen, dass die Versicherten – insbesondere bei schwerwiegenden Erkrankungen – nicht von unseriösen „Wunderheilern“ behandelt werden. Deshalb arbeitet sie mit dem Deutschen Zentralverein Homöopathischer Ärzte e.V. zusammen und bezahlt die homöopathische Behandlung ausschließlich bei Vertragsärzten mit der Zusatzqualifikation Homöopathie.

Die BAHN-BKK ist mit rund 670.000 Kunden einer der größten betrieblichen Krankenversicherer Deutschlands. Als bundesweit geöffnete Krankenkasse mit Präventionsschwerpunkt arbeitet sie ständig daran, ihre Leistungen weiter auszubauen und an die Bedürfnisse der Kunden anzupassen.²

¹Rheinische Post ²BAHN BKK

DasParlament