Lauterbach will gesetzlichen Kassen die Kostenerstattung von Homöopathie verbieten

Krankenkasse will nicht zahlen: Legal-Tech-Service hilft Patienten kostenlos

Lauterbach will gesetzlichen Kassen die Kostenerstattung von Homöopathie verbieten

SPD-Fraktionsvize Karl Lauterbach will den Versuch unternehmen, gesetzlichen Krankenkassen die Kostenerstattung von Homöopathie zu verbieten. „Wir müssen in der Groko darüber reden“, sagte der Gesundheitsexperte dem Berliner „Tagesspiegel“. Auch für freiwillige Leistungen der Versicherer müsse das Kriterium gelten, dass sie wirtschaftlich und medizinisch sinnvoll zu sein hätten. Unterstützung erhielt Lauterbach vom Gemeinsamen Bundesausschusses (GBA), der über die Pflichtleistungen der gesetzlichen Kassen entscheidet. „Der Gesetzgeber müsste die Vorgaben enger fassen“, forderte der unparteiische GBA-Vorsitzende Josef Hecken. Behandlungsmethoden ohne klaren Beleg für Wirksamkeit und Nutzen sollten „nicht noch dadurch geadelt werden, dass sie von Kassen als Satzungsleistungen bezahlt werden“, sagte Hecken dem „Tagesspiegel“.

Die gesundheitspolitische Sprecherin der Unionsfraktion, Karin Maag, dagegen hält nichts davon, die freiwilligen Leistungen der Versicherer zu beschränken. „Wir führen keinen Kreuzzug gegen Heilpraktiker und Naturheilverfahren“, sagte sie dem „Tagesspiegel“. Sie halte es für richtig, die Entscheidungsfreiheit der Patienten zu wahren. Anlass für Lauterbachs Vorstoß sind Entwicklungen in Frankreich, wo der Erstattung von Homöopathie durch die Krankenkassen nach einer Negativ-Expertise der Obersten Gesundheitsbehörde nun das Aus droht.¹

Der neue Legal-Tech-Service „Widerspruch.Online“ aus Hamburg greift Patienten unter die Arme, wenn Kranken- oder Rentenkassen beantragte Leistungen nicht zahlen wollen. Eine online erteilte Vollmacht sowie das Foto des ablehnenden Bescheids sind alles, was es für den Widerspruch durch einen Rechtsanwalt braucht – ganz ohne Kosten. Betreiber des digitalen Rechtsdienstes sind die erfahrenen Hamburger Rechtsanwälte Felix Korten und Jan-Philippe von Hagen.

„Häufig sind Versicherte über ihre Ansprüche gegenüber den Krankenkassen zu wenig informiert – und das trotz sehr guter Erfolgsaussichten“, sagt Felix Korten, einer der beiden Geschäftsführer von Widerspruch.Online. „Mit unserem digitalen Angebot wollen wir Patienten die Scheu nehmen, sich gegen eine große Organisation zu wenden und ihre Rechte mit einem professionellen Anwalt geltend zu machen.“

Gute Erfolgsaussichten bei Hörgeräten

Beispiel Hörgeräte: In 68 Prozent der Streitfälle um abgelehnte Hörgeräte geben die Sozialgerichte den Versicherungsnehmern Recht. In einem jüngsten Fall von Widerspruch.Online weigerte sich die Krankenkasse, einer Mandantin ein höherwertiges Hörgerät zu bezahlen, obwohl dies medizinisch angezeigt und vom Arzt verschrieben war. „Im Fall einer Hörschwäche gilt es, die Einschränkung im Vergleich zu einem gesunden Menschen möglichst weitgehend auszugleichen“, sagt Jan-Philippe von Hagen. „Zudem muss für den Patienten stets der aktuelle Stand der Medizintechnik berücksichtigt werden. Unsere Begründung des Widerspruchs: Ein per Festzuschuss finanziertes Hörgerät hätte unsere Mandantin zu stark eingeschränkt. Diese Argumentation überzeugte die Krankenversicherung, die schließlich einen höheren Zuschuss gewährte.“

Widerspruch muss innerhalb eines Monats erfolgen

Die Beauftragung eines professionellen Anwalts dauert mit dem neuen Legal-Tech-Angebot nur wenige Minuten: Die Versicherten registrieren sich auf Widerspruch.Online, erteilen den Anwälten eine Vollmacht und laden ein Foto des strittigen Kassenbescheids hoch. Der Rechtsdienst bleibt in jedem Fall für die Versicherten kostenlos: Hat der Widerspruch Erfolg, zahlt die Krankenkasse eine Aufwandsentschädigung für die Anwälte. Bei einem verlorenen Fall trägt Widerspruch.Online die Kosten. Wichtig ist, dass die Versicherten schnell reagieren, wenn die Kasse eine Leistung nicht übernehmen will: Patienten haben einen Monat Zeit, ihren Widerspruch geltend zu machen.²

¹Der Tagesspiegel ²Widerspruch.Online

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