Grünen-Fraktionschefin Göring-Eckardt fordert Wohngarantie

Drama um die Sozialwohnungen

Grünen-Fraktionschefin Göring-Eckardt fordert Wohngarantie

Vor dem Deutschen Mietertag hat Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt eine „Wohngarantie“ gefordert. „Wohnen ist ein Grundrecht und die Bundesregierung verweigert es“, sagte Göring-Eckardt der Düsseldorfer „Rheinischen Post“. Der Bauminister tue nichts und die Position der Justizministerin sei faktisch vakant. „Was wir brauchen, ist eine Wohngarantie“, forderte die Grünen-Politikerin. Dazu gehörten die Schaffung von jährlich 100.000 dauerhaft bezahlbaren Wohnungen, ein Sofortprogramm zum Ausbau von 100.000 Dächern und Häusern sowie rechtssichere regionale Mietobergrenzen. Den zusätzlichen Wohnungsbau wollen die Grünen gemeinnützig organisieren.¹

In Deutschland fehlen mehr als eine Million Sozialwohnungen – Menschen mit kleinem Einkommen finden oft keine bezahlbare Bleibe mehr. Seit Jahren gibt es immer weniger günstige Sozialwohnungen – und darin wohnen oft Mieter, denen kein geförderter Wohnraum mehr zusteht. Hinzu kommen Investoren, die bei Sozialwohnungen abwinken, und Anwohner, die dagegen protestieren.

Beim Wohngipfel der Bundesregierung im Herbst 2018 stand das Problem ganz oben auf der Agenda: 100.000 neue Sozialwohnungen sollten bis 2021 entstehen. Für neuen, günstigen Wohnraum wollte die Bundesregierung fünf Milliarden Euro in die Hand nehmen. Doch die Pläne reichen bei Weitem nicht, um das Problem einzudämmen, meinen Experten. Viele zweifeln sogar daran, dass es überhaupt gelingt, alle geplanten Wohnungen zu bauen.

Schätzungen zufolge leben in etwa einem Drittel aller Sozialwohnungen Menschen, die ein zu hohes Einkommen haben. Das sind mehr als 400.000 Haushalte. Experten sehen im Sozialwohnungsdrama eine ernste Bedrohung für den sozialen Frieden in Deutschland. Schon jetzt spalten sich viele Städte in Viertel mit Hartz-IV-Empfängern und Viertel mit Wohlhabenden auf, was Folgen für dort lebende Kinder hat.²

Wunsch trifft Wirklichkeit: Angebot und Nachfrage von Mietwohnungen klaffen auseinander

Eine Analyse der Angebote sowie der darauf abgegebenen Kontaktanfragen von immowelt.de zeigt: Wer im unteren Preissegment sucht, stößt in den meisten Städten auf ein geringes Angebot.

  • In München richten sich die Hälfte aller Anfragen an Wohnungen bis 840 Euro Kaltmiete, die aber nur 18 Prozent des Angebots ausmachen
  • Suchendende kalkulieren auch in Frankfurt (649 Euro) und Hamburg (580 Euro) mit hohen Preisen, kämpfen damit aber um 20 Prozent bzw. 24 Prozent des Angebots
  • Lediglich in Dresden und Leipzig ist der Markt ausgeglichen: Dort entfällt die Hälfte der Anfragen auf knapp die Hälfte des Angebots

In einer deutschen Großstadt eine günstige Wohnung zu finden, ist keine leichte Aufgabe. Das niedrigpreisige Segment ist heiß umkämpft. In den meisten Städten klaffen die Wünsche der Suchenden und das tatsächliche Preisniveau, zu dem Mietwohnungen angeboten werden, weit auseinander. Das zeigt eine Analyse von immowelt.de, in der für Mietwohnungen in den 14 größten deutschen Städten verglichen wurde: Bis zu welchem Mietpreis werden 50 Prozent der Anfragen gestellt und wie viel Prozent des Angebots gibt es in diesem Segment. Vor allem in München, Frankfurt am Main und Hamburg sehen sich Wohnungssuchenden dem geringsten Angebot gegenüber, das ihren preislichen Wunschvorstellungen entspricht.

München: Hälfte der Anfragen zielt auf nur 18 Prozent des Angebots

Die größte Diskrepanz herrscht in München: Dort haben sich Suchende zwar schon mit den höheren Mieten abgefunden, denn 50 Prozent der Anfragen richten sich an Inserate bis zu 840 Euro Kaltmiete. Diese spiegeln aber nur 18 Prozent des Angebots wider. Im Median kosten Mietwohnungen in der bayerischen Landeshauptstadt mit 1.200 Euro und sind somit 360 Euro teurer als in der Wunschvorstellung.

In Frankfurt am Main entfällt die Hälfte der Anfragen auf Mietobjekte bis zu 649 Euro, doch nur 20 Prozent des Angebots fällt in diese Kategorie. Im Median werden Wohnungen in der Main-Metropole für 950 Euro angeboten und sind somit 301 Euro teurer. In Hamburg hält die Hälfte der Suchenden nach Objekten bis 580 Euro Kaltmiete Ausschau, die in der Hansestadt aber nur knapp ein Viertel (24 Prozent) des Angebots ausmachen. Da in Berlin die Mietpreise zuletzt stark anzogen, ist auch dort nur noch ein Viertel des Angebots in der Kategorie, in der die Hälfte der Suchenden anfragt: Bei einem Niveau bis 595 Euro Kaltmiete.

Leipzig und Dresden: Wunsch und Wirklichkeit am nächsten beieinander

Neben den Städten mit großer Diskrepanz bei Angebot und Nachfrage, gibt es auch Städte, in denen die Hälfte der Anfragen auf immerhin rund ein Drittel des Angebots entfällt: In Köln (32 Prozent), Bremen (34 Prozent) und Stuttgart (35 Prozent) ist das der Fall. Am ausgeglichensten ist der Mietmarkt aber in ostdeutschen Metropolen. In Leipzig entfallen 50 Prozent der Anfragen auf Inserate unter 370 Euro. Diese Kategorie stellt in Leipzig auch 42 Prozent des Angebots, da der Angebotsmietpreis im Median nur 20 Euro höher liegt. Auf das größte anteilige Angebot blicken indes Suchenden in Dresden, wo 46 Prozent der Objekte in die Kategorie unter 399 Euro fallen, in der die Hälfte der Anfragen gemessen wurde. Mit 11 Euro Unterschied zum Median-Mietpreis liegt in der Elb-Metropole auch die geringste Abweichung zwischen Wunsch und Wirklichkeit vor.³

¹Rheinische Post ²ZDF Presse und Information ³Immowelt AG

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