Langzeitstudie: Immer mehr Deutsche sorgen sich um Klima und Umwelt

Öko-Zwang in Berlin

Langzeitstudie: Immer mehr Deutsche sorgen sich um Klima und Umwelt

In vielen Bereichen steht das Thema Klimaschutz längst ganz oben auf der Prioritätenliste. Den Grünen ist das nicht genug: Die Partei will den Menschen keine Wahl mehr lassen.

Konkret hat die Berliner Öko-Fraktion nun die Bauherren ins Visier genommen: Neubauten sollen künftig verpflichtend mit Solardächern errichtet werden. Das ist Klimaschutz-Politik mit der Brechstange und ein Eingriff in die Rechte jedes Einzelnen: Wer ein Haus baut, sollte auch darüber entscheiden können, welchen Strom er künftig beziehen will.

Bislang ist der Senat zudem selbst kein gutes Vorbild gewesen, wenn es um die Ausstattung von Dächern öffentlicher Gebäude mit Solaranlagen geht. Die Schulbauoffensive etwa ist gänzlich ohne Solardach-Bauten gestartet. Auch bei den landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften kann die Koalition mehr dafür tun, dass der Strom künftig verstärkt durch Sonnenkollektoren auf den Dächern erzeugt wird.

Ohnehin wäre der staatlich verordnete Öko-Zwang in Berlin gar nicht nötig. Die Zahl der Photovoltaik-Anlagen in der Stadt steigt auch so seit Jahren. Berlins Weg zur klimaschonenden Stadt kann nicht über Zwang führen, sondern nur über Anreize.1

Die große Hitzewelle hat in Deutschland erst einmal eine Pause eingelegt, die Sorge vor den immer spürbarer werdenden Folgen der globalen Erwärmung aber bleibt. Für mehr als jeden vierten Deutschen (26%) gehört der Klimawandel inzwischen sogar zu den besorgniserregendsten Themen im eigenen Land. Das ist das Ergebnis der Langzeitstudie »What worries the World« des Markt- und Meinungsforschungsinstituts Ipsos, die monatlich in 28 Ländern durchgeführt wird. Lediglich in Kanada fürchten sich noch mehr Menschen (29%) vor den Folgen des Klimawandels als bei uns. Auf Platz eins der größten Ängste der Deutschen rangieren jedoch nach wie vor die Themen Armut und soziale Ungleichheit (47%), gefolgt von Einwanderung (34%) sowie Kriminalität und Gewalt (30%).

Verstärktes Problembewusstsein für ‚grüne‘ Themen

Betrachtet man allerdings die langfristige Entwicklung unserer Sorgen im Zeitverlauf, so lässt sich doch ein eindeutiger Trend ablesen: Vermeintlich grüne Themen werden hierzulande immer häufiger als ernstzunehmende Bedrohung wahrgenommen, während Themen der inneren Sicherheit tendenziell von immer weniger Bürgern als prioritäre Probleme angesehen werden. Innerhalb von nur zwei Jahren hat sich in Deutschland der Anteil derer, die den Klimawandel als besonders besorgniserregend einstufen, schlagartig verdoppelt (13% in 2017 vs. 26% in 2019).

Auch in Sachen Umweltschutz ist das Problembewusstsein der Deutschen in letzter Zeit stark angestiegen: Im Mai 2017 sorgte sich lediglich jeder zehnte Bundesbürger (11%) vor den Folgen der Umweltverschmutzung, zwei Jahre später tut dies beinahe jeder Vierte (23%). Nur die Chinesen (41%) fürchten sich noch mehr vor der Zerstörung der Umwelt als die Deutschen.

Einwanderung wird seltener als Gefahr eingestuft, Angst vor Extremismus steigt

Ein anderes Bild zeichnet sich bei den Ängsten, die das Themenfeld der inneren Sicherheit berühren. Während sich im Oktober 2015 auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise noch eine knappe Mehrheit der Bevölkerung (52%) große Sorgen über die Auswirkungen der Einwanderung machte, wird Migration heute nur noch von jedem dritten Deutschen (34%) als eines der dringlichsten Probleme im eigenen Land angesehen. Nichtsdestotrotz wird das Thema Einwanderung in keinem anderen Land häufiger als besorgniserregend eingestuft als bei uns.

Auch die Sorge vor Kriminalität und Gewalt ist in Deutschland tendenziell eher rückläufig. Aktuell fürchten sich drei von zehn Deutschen (30%) davor, niedriger war dieser Wert zuletzt im Jahr 2015. Vergleichsweise groß ist wiederum die Angst vor einer Zunahme des Extremismus: Mehr als jeder fünfte Deutsche (21%) bezeichnet dies als eines besorgniserregendsten Themen im eigenen Land, größer ist die Sorge derzeit nur in Großbritannien (22%).

Deutsche Ängste unterscheiden sich stark von globalen Sorgen

Global gesehen lösen jedoch oftmals ganz andere Probleme die größten Sorgen aus. Vergleicht man die Ängste der Deutschen mit den weltweit am meisten genannten Sorgen, so lassen sich teils drastische Unterschiede konstatieren. Weltweit fürchtet sich beispielsweise jeder dritte Bürger (33%) vor Arbeitslosigkeit oder bemängelt finanzielle und politische Korruption (31%). Jeder Vierte (25%) sorgt sich zudem um das Gesundheitswesen im eigenen Land. In Deutschland werden diese Themen nur von jedem zehnten Befragten als besonders dringliche Probleme eingestuft. In keinem anderen Land sorgen sich die Menschen so wenig vor Arbeitslosigkeit (10%) und Korruption (8%) wie bei uns.

Im Gegenzug werden der Klimawandel (13%) und die Folgen der Umweltverschmutzung (13%) im weltweiten Durchschnitt noch vergleichsweise selten als schwerwiegende Bedrohung eingestuft. Und auch die vermeintlichen Gefahren aufgrund von Einwanderung (14%) oder der Zunahme von Extremismus (9%) spielen global gesehen eine eher untergeordnete Rolle.2

1Dominik Bath – Berliner Morgenpost 2Ipsos GmbH

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