Iran: Zündeln am Pulverfass – Eskalation im Iran-Konflikt

So provoziert man Kriege

Iran: Zündeln am Pulverfass –  Eskalation im Iran-Konflikt

Das Spiel mit dem Feuer geht weiter. Seit Wochen überziehen sich Washington und Teheran mit gegenseitigen Drohungen, obwohl beide Seiten wissen, dass schon die nächste Provokation den weltweit befürchteten Waffengang auslösen könnte. Denn spätestens seit der Kommandoaktion der britischen Marine gegen einen iranischen Supertanker vor Gibraltar musste allen Beteiligten klar sein, dass die Islamische Republik nun auf Rache sinnt und die für die Weltwirtschaft hochsensible Straße von Hormus ins Visier nehmen wird. Alle internationalen Schiffseigner werden diese Zuspitzung an der wichtigsten Tankstelle der Welt mit Sorge verfolgen.¹

Die Lage in der Meerenge von Hormus spitzt sich zu: Erneut wird Iran vorgeworfen, fremde Öltanker zu attackieren. Was wir erleben, ist die stetige Verlagerung eines Konflikts ins Militärische. Obwohl Iran sich nach Aussage fast aller Experten an das Atomabkommen gehalten hat, verschärfte US-Präsident Donald Trump den Kurs gegen Teheran drastisch: Aufkündigung des Vertrages, neue Sanktionen.

Ob die Angriffe auf die Tanker so stattgefunden haben, wie von den USA und Großbritannien dargestellt, weiß im Moment niemand. Allerdings haben die USA in Sachen erfundene Kriegsgründe eine üppige Expertise. Die begann nicht erst mit dem vermeintlichen Zwischenfall von Tongking (Vietnam-Krieg) und reichte bis zum angeblichen Hufeisenplan (Jugoslawien-Krieg) und den ausgedachten Massenvernichtungswaffen Saddam Husseins (Irak-Krieg).

Natürlich ist Iran ein schwieriger Partner. Seine Machtambitionen in der Region, die Frage von politischen Freiheiten und Menschenrechten – es gäbe viel zu besprechen und zu verhandeln. Aber doch am besten auf der Grundlage intakter Beziehungen.

Was aber stattfindet, ist eine planmäßige Eskalation, die den Hardlinern in Teheran in die Hände spielt. Er wolle keinen Krieg, beteuert Trump. Sicher ist nur: Er will keinen Krieg, in den die USA direkt hineingezogen werden. Die Drecksarbeit können andere erledigen, die aus den USA massiv aufgerüstet werden. Wer einen Krieg anzetteln wollte, könnte genau so vorgehen.²

Seit Wochen drohen sich Washington und Teheran, obwohl beide wissen, dass die nächste Provokation den befürchteten Waffengang auslösen könnte. Spätestens seit der Aktion der britischen Marine gegen einen iranischen Tanker vor Gibraltar musste allen klar sein, dass die Islamische Republik auf Rache sinnt und die für die Weltwirtschaft hochsensible Straße von Hormus ins Visier nehmen wird. Alle werden diese Zuspitzung an der wichtigsten Tankstelle der Welt mit Sorge verfolgen, zumal sich auf dem eigentlichen Konfliktfeld, dem von Donald Trump einseitig gekündigten Atomvertrag, nichts verändert. Im Gegenteil. Das Weiße Haus kündigte weitere Sanktionen an, Iran weitere Verletzungen ihrer Vertragspflichten, wenn sich die Europäer dem US-Druck wie bisher fügten. Mit diesem Wechselspiel der Hardliner steht das Abkommen von Wien vier Jahre nach seiner historischen Unterzeichnung vor dem Aus. Der Iran könnte wieder zurückfallen in die destruktive Verweigerung wie vor dem Atomvertrag.³

¹Martin Gehlen – Badische Zeitung ²neues deutschland ³Frankfurter Rundschau

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